Montag, 29. Juni 2026

Brüche, Risse, Splitter … Keine Panik! Die ZJU entwickelt den weltweit ersten Knochenkleber

Inspiriert vom natürlichen Haftmechanismus von Austern haben Forschende der Zhejiang University in China den weltweit ersten medizinischen Knochenkleber „Bone 02“ entwickelt. Das innovative Biomaterial kann Knochenfragmente selbst im feuchten und blutigen Umfeld des menschlichen Körpers innerhalb weniger Minuten sicher miteinander verbinden. Damit wird ein seit Jahrzehnten bestehendes Problem in der Behandlung komplexer Trümmerfrakturen adressiert.

Der größte Vorteil des Knochenklebers liegt in der Versorgung komplizierter Knochenbrüche mit vielen kleinen Fragmenten. Herkömmliche Verfahren mit Schrauben und Platten stoßen hier häufig an ihre Grenzen, da kleine Knochenteile schwer zu fixieren sind und umfangreiche operative Eingriffe erforderlich machen. „Bone 02“ ermöglicht dagegen eine präzise Verklebung selbst kleinster Fragmente. Dadurch können Operationen weniger invasiv durchgeführt, die Eingriffszeit verkürzt und das Risiko von Komplikationen wie Knochenverlust, verzögerter Heilung oder dauerhaften Gelenkschäden reduziert werden.


Das Material zeichnet sich durch drei zentrale Eigenschaften aus: Es haftet sofort und zuverlässig in einer blutreichen Umgebung, lässt sich einfach anwenden und wird innerhalb von etwa sechs Monaten vollständig biologisch abgebaut. Im Gegensatz zu Metallimplantaten ist daher keine zweite Operation zur Entfernung des Materials notwendig, was die Belastung für Patientinnen und Patienten deutlich verringert.

Die Wirksamkeit des Knochenklebers wurde bereits in einer multizentrischen klinischen Studie mit mehr als 150 Patientinnen und Patienten bestätigt. Bei einem Patienten mit einer komplizierten Handgelenksfraktur konnte der Kleber über einen lediglich zwei bis drei Zentimeter langen Zugang eingebracht werden. Bereits drei Monate später war der Knochen vollständig verheilt und die Funktion des Handgelenks vollständig wiederhergestellt.

Langfristig eröffnet „Bone 02“ vielfältige Einsatzmöglichkeiten. Neben der Behandlung verschiedenster Knochenbrüche sehen die Forschenden Potenzial für Anwendungen in der Zahnmedizin, bei Wirbelsäulenoperationen sowie in der Notfallmedizin, beispielsweise bei Katastropheneinsätzen oder im militärischen Bereich. Die Entwicklung könnte damit einen wichtigen Beitrag zu schonenderen, schnelleren und patientenfreundlicheren Behandlungsverfahren in der Orthopädie leisten.

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